Pfotenhilfe Mogli - Helfen statt wegschauen

Diesmal habe ich mit Martina Rubino vom Verein „Pfotenhilfe Mogli“ aus Münsingen ein Interview geführt. Dabei ging es im Besonderen um die Vermittlung von Hunden aus dem Ausland und was dabei zu beachten ist. Ich selbst habe meine kleine Hündin Nikita über den Tierschutz adoptiert. Beim Verein „Pfotenhilfe Mogli“ hat mich besonders die seriöse Vermittlung überzeugt. Aus diesem Grund wird Frau Martina Rubino im heutigen Interview auf die Besonderheiten und den Ablauf einer Hundevermittlung bei Hunden aus dem Ausland eingehen, so wie sie es bei ihrem Verein üblich ist.

1. Guten Tag Frau Martina Rubino. Bitte stellen Sie sich kurz vor.

Guten Tag Frau Thiemann. Ich bin Mutter von zwei Kindern und seit 2009 glücklich verheiratet mit Gianni, mit dem ich mich dazu entschlossen habe, den Verein „Pfotenhilfe Mogli“ zu gründen und den Strassenhunden in Rumänien zu helfen. Wir haben zwei eigene Hunde aus dem Ausland, 3 Katzen und im Moment zwei Pflegehunde.

2. Was war der Auslöser, „Pfotenhilfe Mogli“ zu gründen und was ist der Kern Ihres Vereins bzw. was liegt Ihnen dabei besonders am Herzen.

Der Auslöser „Pfotenhilfe Mogli“ zu gründen war unser rumänischer Strassenhund Mogli, den wir im Januar 2014 adoptiert haben. Das war der Startschuss. Mogli ist eigentlich dafür verantwortlich, dass es uns gibt.

Unser Verein hat zwei Ansatzpunkte: Gemäss unserem Motto: Helfen – statt wegschauen! unterstützen wir einerseits Kastrationskampagnen vor Ort, helfen rumänischen Tierschützern in Notsituationen oder unterstützen Projekte von rumänischen Tierschutzvereinen. Andererseits übernehmen wir bedürftige und bedrohte Strassenhunde, vor allem Welpen und Junghunde, die wir dann in der Schweiz vermitteln. D.h. um eine seriöse Vermittlung zu gewährleisten, sorgen wir dafür, dass die Hunde vor Ort medizinisch und pflegetechnisch (Futter, gute Unterbringung und Betreuung) gut versorgt werden. Bevor sie dann in die Schweiz ausreisen, werden sie entsprechend medizinisch vorbereitet und schliesslich gechipt und registriert, damit alles korrekt und legal über die Bühne geht, was alles auch in ihrem Pass genau notiert wird. Wir sind sehr bemüht, dass wir unsere Hunde so schnell wie möglich in die Schweiz holen. Dort werden sie zunächst auf gute und seriöse Pflegestellen verteilt. Erst dann suchen wir in Ruhe die passende Familie für unsere Hunde. Das verstehen wir unter seriöser Vermittlung aus dem Ausland.

3. Wenn nun jemand einen Pflegehund bei Ihnen auf der Website entdeckt hat und Interesse an einer Adoption hätte, wie läuft das weitere Prozedere ab, nachdem er sich bei Ihnen gemeldet hat?

Zunächst möchten wir natürlich den Interessenten persönlich kennen lernen und in einem ausgiebigen Gespräch herausfinden, was seine Motivation ist, wie die Wohnverhältnisse sind und ob er auch genügend Zeit und Kenntnisse hat, einen Hund zu adoptieren. Passt der Hund grundsätzlich ins Leben der zukünftigen Hundebesitzer, was haben sie für Anforderungen an den Hund (Hundesport, Familienhund) etc.. Dabei klären wir die Interessenten unsererseits auf, was auf sie zukommt, besonders in der ersten Zeit, beantworten Fragen oder geben Tipps betreffend Hundeschule, Hundetrainer u.a.. Die Interessenten dürfen dann „ihren“ Hund auf der Pflegestelle besuchen und beschnuppern, denn auch das ist ganz wichtig. Fotos und Videos können den ersten persönlichen Kontakt nicht ersetzen! Wenn das erste Treffen für Mensch und Hund positiv gelaufen ist und der Interessent nach seinem Schnuppertag immer noch interessiert ist und wir uns alle einig sind, dass der ausgewählte Hund passen könnte, besuchen wir die Interessenten in ihrem Zuhause, das ist die so genannte Vorkontrolle. Wenn auch da alles positiv verläuft, darf der Hund zur Probewoche einziehen. Nur mit Hilfe der Probewoche kann genau beurteilt werden, ob der Hund in das Leben der Interessenten passt.

Da wir im Vorfeld schon sehr viel zusammen mit den zukünftigen Hundebesitzern abklären und besprechen, werden 98% unserer Hunde nach ihrer Probewoche auch adoptiert. Natürlich steht unser Verein auch nach einer Adoption jederzeit für Fragen zur Verfügung.

4. In welche Haushalte geben Sie keine Hunde ab?

Wenn wir denken, dass der Hund nicht ins Leben der Interessenten passt, wir sehen, dass eine artgerechte Haltung nicht gewährleistet ist oder nicht die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung stehen.

5. Was muss man grundsätzlich beachten bzw. sich bewusst werden, wenn man einen Hund aus dem Ausland, in Ihrem Fall einen Strassenhund aus Rumänien, adoptieren möchte?

Man sollte sich bewusst sein, dass die Hunde, auch wenn sie aus einem privaten Tierheim in Rumänien stammen, ganz andere Verhältnisse gewöhnt sind, kaum zu vergleichen mit unseren Tierheimen in der Schweiz. Das erfordert in gewissen Situationen vielleicht ein bisschen mehr Geduld, Feingefühl und Verständnis, denn der Hund hat nichts anderes kennen gelernt. z.B. könnte eine Treppe bereits ein Hindernis für den Hund sein, an das man ihn geduldig und Schritt für Schritt heranführen muss. Man sollte sie auf jeden Fall mit viel Liebe und Geduld an unseren Alltag gewöhnen. Doch egal ob ein Strassenhund oder ein Hund aus einer Hundezucht, alle zukünftigen Hundebesitzer sollten sich vor der Anschaffung eines Tieres über die Kosten bewusst sein, die für Futter, Tierarztbesuche, u.a. anfällt. Nicht zu vergessen der SKN Theoriekurs, den jeder neue Hundebesitzer absolvieren muss. Bei uns kostet eine Adoption CHF 500.- Schutzgebühr, damit decken wir die Spesen ab, die für Reisepapiere, den Snaptest (einen Test, den alle Hunde vor ihrer Ausreise machen und bestätigen soll, dass sie keine Herzwürmer oder Zeckenkrankheiten haben), den Transport und die Verzollung anfallen. Aus diesem Pot bekommen falls nötig auch Pflegestellen einen finanziellen Zustupf für Futter und Tierarztrechnungen oder sonstige Extraausgaben, die sie nicht selbst übernehmen können. Wir verdienen keinen Rappen an den Hunden, im Gegenteil, unsere Reisen nach Rumänien, Kost und Logis, Mietwagen etc. bezahlen wir aus eigener Tasche privat. Denn jeder gespendete Franken landet in unserer Vereinskasse und wird für die Hunde ausgegeben.

6. Was sind so die Rückmeldungen, die Sie bis jetzt von Hundebesitzern bekommen haben, die einen rumänischen Strassenhund von Ihnen adoptiert haben?

Bis jetzt haben wir nur extrem positive Rückmeldungen erhalten und etwas anderes würde uns auch wundern. Denn wir hatten alles unglaublich tolle Hunde zu vermitteln und natürlich auch das grosse Glück, dass sich so tolle Hundebesitzer gemeldet haben. Hunde, die zu Unrecht und völlig unverschuldet zum Tode verurteilt, oder ausgesetzt wurden und ohne uns keine Überlebenschance gehabt hätten, diese Hunde sind unglaublich dankbar und geben ihre Lebensfreude und Dankbarkeit ihren Besitzern tausendfach zurück. Das kann man schwer beschreiben, wenn man es noch nie selbst erlebt hat. Man hat das Gefühl, dass diese Hunde genau wissen, was wir ihnen für eine Chance ermöglicht haben.

7. Welche Art von Unterstützung wünschen Sie sich auch in Zukunft für Ihren Verein bzw. für die Strassenhunde in Rumänien?

Für die Strassenhunde in Rumänien wünschen wir uns, dass dieses grausame Gesetz, das seit gut zwei Jahren gilt und bereits rund 100.000 unschuldigen Strassenhunden das Leben gekostet hat, so schnell wie möglich wieder ausser Kraft gesetzt wird und dass die grausamen Tötungen endlich gestoppt werden! Dass die Tiere endlich das Recht bekommen, artgerecht zu leben und respektvoller behandelt werden. Kaum vorstellbar, dass in Westeuropa der Hund als bester Freund des Menschen und als eines der beliebtesten Haustiere in unserer Gesellschaft vollwertig integriert und geschätzt wird, wo hingegen in Osteuropa der Grossteil der Hunde immer noch wie Müll entsorgt wird.

Für unseren Verein wünschen wir uns, dass durch unsere Arbeit noch mehr Menschen auf die tollen Strassenhunde aus Rumänien aufmerksam werden und sich immer mehr Menschen ganz bewusst dafür entscheiden, einen Strassenhund zu adoptieren oder sich als Pflegestelle zur Verfügung zu stellen, denn sie sind einer der Grundpfeiler unserer seriösen Vermittlung. Je mehr Pflegestellen wir zur Verfügung haben, desto mehr Hunde können wir retten und vermitteln. Denn so lange es dieses Elend gibt, werden wir für die Hunde KÄMPFEN und wir können jede HILFE und UNTERSTÜTZUNG bei unserer Arbeit für die RUMÄNISCHEN STRASSENHUNDE brauchen.

Tierschutz kennt keine Grenze und wir dürfen die Augen vor dem, was auch jenseits unserer Grenzen passiert, nicht verschliessen.

Vielen Dank Martina Rubino, dass Sie sich für das Interview Zeit genommen haben. Wer noch mehr über diesen tollen Verein wissen möchte, kann einfach auf www.pfotenhilfe-mogli.ch vorbeischauen.

Martina&Gianni Pfotenhilfe Mogli

Martina Rubino
Jungfrauweg 12
3110 Münsingen

www.pfotenhilfe-mogli.ch

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